In der Mitte der Woche der Demokratie am Gymnasium Nackenheim stand ein Abend rund um Heinrich Böll. Gastgeber dieses Abends war die ev. Schulseelsorge in Kooperation mit der ev. Kirchengemeinde in Nackenheim.
Am Anfang des Abends trat Heinrich Böll himself gespielt von Herrn Dölschner auf. Er erzählte aus seinem Leben, seinem Schreiben, seinem politischen Engagement und seiner Liebe zu Irland.
Den Schwerpunkt bildete jedoch die Auseinandersetzung mit Bölls Kriegserfahrung in seiner Literatur insbesondere in den 40´und 50´er Jahren. Gianna Bärtsch aus der MSS 12 stellte kenntnisreich und wortgewandt vor, wie Böll das Schweigen nach Ausschwitz überwand. Sie arbeitete heraus, wie Böll daran mitwirkte, Literatur zum Ort der kollektiven Traumabewältigung zu machen und zur Bühne der moralischen und gesellschaftlichen Neubestimmung Deutschlands nach dem 3. Reich.
Gianna belegte durch Verweis und Lesung aus drei Werken Bölls (Der Engel schwieg [1949], Der Zug war pünktlich [1949], Wo warst du, Adam? [1951]), wie Böll darin den Weg von der Kriegsfront zu den Trümmern am Ende des Krieges und von der Todesangst im Krieg hin zu der moralischen Verantwortung nach dem Krieg beschrieb. Ihr Vortrag endete mit dem Appell, dass wir heute wie die Leser in Nachkriegsdeutschland eine moralische Bringschuld haben, die sich nur dann erfülle, wenn wir uns einmischen.
Der langhaltende Beifall des kleinen, aber feinen Kreises der Zuhörenden am Ende des Abends drückte den großen Respekt gegenüber Giannas intensiver Auseinandersetzung mit Heinrich Böll und ihren gekonnten Ausführungen aus.
